WWF-Umweltrating liefert wertvolle Ergänzung zum Labelrating 2015

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«Was steckt hinter welchen Label?», das am 20. Oktober 2015 veröffentlichte Labelrating gibt darauf Antworten. Bewertet wurden 31 auf dem Schweizer Lebensmittelmarkt vertretenen Labels bezüglich Nachhaltigkeit. Am 13. Dezember lieferte das WWF-Umweltrating eine wichtige Ergänzung mit einer Bewertung der Nachhaltigkeitsangebote und der Prozesse auf Unternehmensebene.

Peter Jossi – Dem aktuellen Labelrating unter der Leitung der Organisation PUSCH ist ein im Vergleich mit früheren Ratings höheres Mass an Professionalität und Unabhängigkeit zu attestieren. Verantwortlich für die Ratingkoordination 2015 war Sarah Herrmann (PUSCH) in Zusammenarbeit mit einer breiten Trägerschaft (WWF Schweiz, Helvetas, Stiftung für Konsumentenschutz SKS). Als Grundlage des Kriterienkataloges diente die Bewertung der Lebensmittel-Labels von 2010. Aufbauend darauf flossen aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse aus der Forschung, Praxis und Politik in der Schweiz und seitens internationaler Organisationen mit ein.

«Geheu im Labeldschungel?» – Verwirrung als WWF-Geschäftstrategie?

Diese ausgewogene Haltung der Ratingverantwortlichen wäre von allen Partnern der Rating-Trägerschaft wünschenswert. Wer diese Hoffnung ernsthaft hegte, wurde bereits durch die «espresso»-Sendung von SRF einige Zeit nach dem Rating enttäuscht. Die SRF-Verantwortlichen stellten im Radiobeitrag kritische Fragen zur aktuellen Kampagne von Alnatura und Migros mit dem Claim «Das ist mehr als Bio – garantiert!» als Aufhänger.

Durchblick bei Lebensmittellabels? (Bild. PUSCH)

Der Kommentar von Corina Gyssler (WWF Schweiz) gegenüber «espresso»: «Bio ist überhaupt nicht Bio» und überhaupt bestehe «ein Geheu im Labeldschungel». Was genau Corina Gyssler zu derartigen Aussagen motiviert, bleibe dahin gestellt. Die Bemerkung steht jedenfalls in einer langen Reihe ähnlicher Kommentare von WWF-Verantwortlichen. Es entsteht der Eindruck, dass WWF Schweiz die dadurch verstärkte Verwirrung der Kundschaft durchaus gelegen kommt. Eine orientierungslose Anhängerschaft bleibt damit von WWF-Interpretationen abhängig. Musikalisch untermalt wird diese De facto-Strategie jeweils durch die uralte Trauerbalade «Zu viele Labels im Dschungel – böse Marktvielfalt, arme, missbrauchte Kundschaft».

Biolabels: Fehlende Grundinformationen –  kontroverse Bewertung

Leider verpassten es auch die Verantwortlichen des Labelratings, eine echte Orientierungshilfe zu liefern. Das Fehlen allgemein verständlicher Grundlageninformationen , insbesondere betreffend der Bioqualität, bildet den eigentlichen grossen Mangel des aktuellen Labelratings. Stattdessen verstärkt das Rating mit der Bewertungsverteilung der verschiedenen Bioauszeichnungen auf sämtliche Kategorien die allgemeine Verwirrung zusätzlich. Einmal mehr wurde versäumt, die europa- und weltweit einheitlich geregelten und sehr klaren Grundanforderungen für Bioqualität als grosse sozial-ökologische Errungenschaft positiv zu werten. Das absolute Minimum wäre dabei der Hinweis gewesen, dass es sich beim «EU-Bio»-Logo gar nicht um ein Label handelt, sondern um ein wertvolles überstaatliches Gütezeichen, auf dem alle weiteren Bioregelwerke erst aufbauen. Dies gilt auch für die Schweizer Bioverordnung und die für die Bio-Schweiz bestimmenden Bio Suisse-Richtlinien. Die Schweizer Lebensmittel- und speziell die Biobranche ist sich Labelratings längst gewohnt, zumal sie alle paar Jahre neu lanciert werden. Die Labelorganisationen und der Detailhandel nutzen die mit dem Rating verbundene Öffentlichkeitsarbeit für ihre eigene Kommunikation – zumindest wenn die entsprechende Bewertung positiv verlief. Andreas Jiménez , Geschäftsführer der Bio Partner AG, des wichtigsten Zulieferers des Biofachhandels begrüsst das Labelrating als «nützliche Hilfe für den Endkonsumenten ist, vor allem das Faltblatt im Taschenformat». Delinat-Gründer Karl Schefer betont die Bedeutung des Ratings: «Für Delinat sind die Richtlinien nicht lästige Bürokratie, sondern ein sehr wichtiges Instrument. Der starke Praxisbezugs unserer Richtlinien bringt es den Winzern einen direkten praktischen Nutzen, so dass sie bereitwillig an der Weiterentwicklung teilnehmen.»

WWF-Umweltrating – Echte Orientierungshilfe für Unternehmen

Eine echte Orientierungshilfe, zumindest für Unternehmen und Nachhaltigkeitsfachleute bietet, das am 13. Dezember 2015 publizierte «WWF-Umweltrating». Zwar stellt sich auch bei diesem Rating die berechtigte Fragen nach der KMU-Fähigkeit solcher aufwändiger Befragungen. Gleichzeitig bietet diese Unternehmensbewertung unabhängig vom Resultat einen direkten Mehrwert und Anregungen für die involvierten Unternehmen für die Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsstrategien. Der WWF liess zehn wichtige Lebensmitteldetailhändler und die drei grössten Grosshändler der Schweiz von der Ratingagentur «Inrate» nach ihren Umweltleistungen bewerten. Verglichen wurden die Firmen mit einem visionären, heute noch fiktiven Unternehmen der nächsten Generation, dessen Geschäftsmodell auf die ökologische Tragfähigkeit unseres Planeten und auf eine Klimaerwärmung von maximal zwei Grad Celsius ausrichtet ist. Bewertet wurden folgende sechs für die Umwelt wichtigen Bereiche: Managementsystem, Investitionen, Produkte, Sortiment & Lieferanten, Politik & Rahmenbedingungen sowie Verankerung umweltfördernder Verhaltensweisen in der Gesellschaft.

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